Montag, 22. August 2016

Convention auf Schloss Burg. Oder: Warum Gollum weg muss!



Schloss Burg.
Ein mittelalterliches Bollwerk im bergischen Land.
Geliebtes Wahrzeichen und Folterinstrument für unzählige Kinder.
Warum?
Nun, wer wie ich im bergischen Land aufgewachsen ist, der weiß wovon ich spreche.
Gefühlt jeden zweiten Sonntag ging es zusammen mit Omma und Oppa auf nach Schloss Burch, lecker bergische Waffeln essen und Kaffee aus der Dröppelminna trinken (nein, bei letzterem handelt es sich nicht um ein inkontinentes Hausmädchen, sondern um eine Art historische Kaffeemaschine).
Und so saß man im altbackenen Café, umringt von Eiche Rustikal, schaufelte sich tonnenweise Zucker in den Balg um anschließend durch die langweilige Münzausstellung des schlosseigenen Museums geschoben zu werden… zum gefühlten 3000sten Mal und glaubt mir, es sind keine neuen Münzen dazu gekommen.




Schloss Burg... wobei... was ist es denn nun? Schloss oder Burg? Aber eigentlich hat es ja geschichtlich was mit Berg zu tun... aber ich schweife ab.

Wie gesagt, als Kind war es nicht immer einfach auf Schloss Burg und trotzdem hängt mein Herz an diesem Schuppen. Das ist meine Kindheit, das ist Heimat und Vertrautheit.
Und dann passiert plötzlich etwas Magisches...
Ein Wochenende lang wird die Burg zum Traum für jeden Film und TV Fan. Zum ersten Mal findet hinter den Mauern die Mittelalter und Fantasy Convention statt.
Ich war zuerst sehr, sehr skeptisch. Immer mehr Veranstalter versuchen heutzutage die Fans mit neuen Events für sich zu gewinnen. Doch bei all dem Angebot musste ich oft mit erleben, dass Veranstaltungen im letzten Moment wieder abgesagt wurden.
So stellte sich auch hier die Frage: Würden die angekündigten Stars aus Herr der Ringe, Game of Thrones und Harry Potter wirklich erscheinen?
Ich wartete den ersten Veranstaltungstag ab. Einige Bekannte waren vor Ort, berichteten und das sehr positiv.
Also packte ich am Sonntag meine Freundin ins Auto und bei bestem, bergischen Regenwetter machten wir uns auf nach Mittelerde… äh Hogwards… äh… Solingen Burg.
„Winter is coming!“ oder in diesem Fall eher: „Et räänt!“ (wie man hier im Fachjargon sagt).
Trotz schlechtem Wetter ist die Veranstaltung überaus gut besucht. Überall tummeln sich Fans in wunderschönen Roben und Kostümen aus den jeweiligen Filmen und Serien.

Cosplayer
Die Beamten vom Bundesamt für magische Wesen kontrollieren ob alles rechtens zugeht und keine Drachen gequält werden.


Im Gegensatz zu mancher Convention in irgendeiner lieblosen Messehalle, hat die Veranstaltung auf Schloss Burg ein ganz eigenes Flair. Man ist plötzlich Teil einer fantastischen Gesellschaft in Mitten der echten Schloss Kulisse. Die Stimmung ist gut und bereits jetzt laufen einem die Stars an jeder Ecke über den Weg.
James Cosmo (Game of Thrones) steht ganz relaxt am Würstchenstand, Craig Parker (Herr der Ringe / Spartacus) lässt sich vom Falkner die Greifvögel erklären.

Craig Parker hat nen Vogel...




... der hier anscheinend auch ;-)


... of Currywurst

Zwischendurch gibt es immer wieder Panels bei denen sich die Stars den Fragen der Gäste stellen.
Nur leider ist das die größte Schwachstelle des Events. Als ich im Internet gelesen habe, dass die Panels in der Burgkapelle stattfinden, schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen. In diesen Raum passen gerade mal 30 Leute… und das auch nur wenn Omma vorher keine 3 Waffeln gegessen hat.
Bereits am Samstag zeigt sich, dass dies bei so vielen Gästen einfach nicht funktionieren kann. Zum Glück reagiert der Veranstalter flexibel und verlegt diese Programmpunkte kurzum in das Museum.
Leider stehen dort immer noch einige Vitrinen, die man in der Kürze der Zeit vermutlich nicht verschieben konnte. Und so müssen einige Besucher das Geschehen durch die Ausstellungsstücke hindurch beobachten. Und nein… es sind immer noch keine neuen Münzen dazugekommen!



Auch gibt es weder Mikrofon noch Bühne, so dass die Leute weiter hinten leider fast gar nichts mehr mitbekommen. Wir haben Glück und ergattern noch einen halbwegs guten Stehplatz von dem aus wir das Panel von John Rhys-Davies (Herr der Ringe/Indiana Jones) und Craig Parker mit verfolgen können.
Die beiden sind ein wahnsinnig charmantes Duo und schaffen es, den vollen Saal wirklich gut zu unterhalten.

Anschließend schlendern wir über das Gelände.
Für das Eintrittsgeld bekommt man u. A. noch ein Ritterlager, diverse Verkaufsstände und eine Falknerei zu sehen.
Gegen einen kleinen Obolus kann man einen Greifvogel auf den Arm nehmen (Nein, damit meine ich nicht einen Uhu mit dämlichen Witzen über Klebemittel zu verarschen).
Ich verliebe mich in einen kleinen Kautz. Der ist wenigstens nicht so schwer wie die riesige Eule, die der Mann neben mir auf seinen Unterarm hievt.  

Stolzes (und verdammt großes) Tier

Da ist mir der kleine hier doch schon viel lieber

Als krönenden Abschluss mache ich noch ein Gruppenfoto mit John und Craig. Eigentlich sollte Gollum ebenfalls mit auf das Bild. Eine wirklich nett gemachte Statue, die den Fotohintergrund ausschmücken sollte, allerdings dabei nur im Weg steht. Craig Parker macht daher kurzen Prozess und schiebt den Ärmsten unter Beifall einfach aus dem Bild.

Gruppenfoto (und nein, das in der Mitte ist nicht Gollum!)

Die Stimmung ist wirklich entspannt und man hat zu jedem Zeitpunkt immer genug Zeit, einen kleinen Plausch mit den Stars zu halten.
Genau das hat mich wirklich beeindruckt. Es herrschte eine angenehme, intime Atmosphäre, die man bei größeren Conventions so nicht immer hat. Ich hoffe daher, dass der Veranstalter auch nächstes Jahr wieder etwas Magie in meine Heimat holt.
Ein bisschen umorganisieren was die Räumlichkeiten angeht (vielleicht die Autogrammstunde ins Museum verlegen, dafür die Panels unten in den größeren Raum) und ich bin sicher das Ganze wird ein Selbstläufer.
Es wäre wirklich toll, wenn es bei dieser kleinen, angenehmen Con Größe bleibt. Es muss ja nicht immer höher, schneller, weiter sein.
Und ganz ehrlich: Dieser Moment als Schauspieler John Rhys-Davies über die wunderschöne Location schwärmt, lässt mein Herz aufgehen.
Jep, dat is meine Heimat, mein bergisches Land.
In diesem Sinne:
Stay professional!


Autogrammstunde mit James Cosmo






Seilbahn zum Schloss... äh Burg... also Schloss Burg
Hier wollte ich eigentlich beweisen, dass die Sonne auch mal rausgekommen ist. Und schon rennt mir James Cosmo wieder ins Bild. Frecheit sowas. ;-)



 
Also gut... darauf habt ihr doch nur gewartet!
 
Und darauf auch! Sorry, aber das musste sein! Yummyyyyyy!


Amphi Festival 2016 (Teil 2). Oder: Warum das Beste immer zum Schluss kommt


23.07.2016  Tag 2



Dieser Moment, wenn du auf ein Festival gehst, Rammstein auf der Bühne stehen und du dich verwundert fragst seit wann Frontmann Till Lindemann eine Plauzte hat.
Doch dann verstehst du endlich, dass die Band „Stahlzeit“ so gut covert, dass du den Unterschied zum Original erst gar nicht bemerkt hast.
Aber ganz ehrlich, wenn da tatsächlich Rammstein auf der Bühne gestanden hätten, wäre der kleine Tanzbrunnen nach den ersten 3 Minuten in die Luft geflogen. Doch auch bei Stahlzeit züngeln die Flammen mitunter gefährlich nah an die Bühnendecke.
Aber es gibt keine gerösteten Goths am Spieß und so können nach der Umbaupause Mono Inc. die Bühne betreten.
Während ich dort so gemütlich stehe, erlebe ich zwei kuriose Begegnungen.

 


Da steht plötzlich eine zierliche Frau mit langen, schwarzen Haaren. Ich traue meinen Augen kaum, handelt es sich bei der Dame um niemand anderes als Tarja Turunen, ehemalige Frontfrau der Band Nightwish. Neben ihr ein hoch gewachsener Mann auf dessen Schulter ihr süßer Nachwuchs sitzt, der kleine Kopf mit riesigen Lärmschutzohren bedeckt.
Natürlich krame ich in diesem Moment nicht die Kamera heraus und halte drauf, sondern freue mich, dass die Sängerin von niemandem behelligt wird und einfach auch mal genießen kann.

Als ich weiter über das Gelände schlendere gerate ich aber plötzlich in eine ganz andere Situation. Eine Gruppe Männer steht fröhlich gelaunt beisammen. Einer löst sich aus der Truppe, kommt auf mich zu und drückt mir seine Kamera in die Hand. In gebrochenem Englisch mit osteuropäischem Akzent fragt er mich ob ich ein Foto von ihm machen könne.
Ich vermute, dass er und seine Kumpels ein Erinnerungsbild schießen wollen. Erst als ich durch den Sucher der Kamera blicke, kapiere ich was da vor mir passiert.
Da steht Alex Wesselsky, Sänger der Band Eisbrecher und vielen sicherlich bekannt als Autoexperte „Der Checker“ vom Testosteronkanal DMAX.
Ich würde sagen, so zufällig bin ich tatsächlich noch nie in eine solche Situation gestolpert. Wenn der Typ mich nicht angesprochen hätte, wäre ich an Wesselsky vorbei gelaufen… und ganz ehrlich, diesen Riesen kann man eigentlich nur seeehr schwer übersehen.
Wir flachsen ein bisschen miteinander und als ich ihm sage: „Jetzt müssen wir aber auch ein Foto zusammen machen.“ Antwortet er in seiner charmanten Art, die einer Moderation von Thomas Gottschalk in nichts nachsteht: „Junge Dame, müssen, müssen wir gar nix. Aber wir können gerne.“ Aaah ja.
Mit einem beherzten Griff an meine Hüfte postiert sich der 190 Meter große Hüne (ja, ich habe danach gegoogelt. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es Websiten gibt auf denen man ausschließlich Körpergrößen der Stars erfragen kann)  hinter mir und die Erinnerung wird auf’s Handy gebannt.


Aber es gibt ja auch noch eine offizielle Autogrammstunde. Dort treffe ich auf Peter Heppner, der mich fragt ob ich auf mein Autogramm noch irgendwas Besonderes drauf haben möchte. Mir fällt natürlich auf diese Frage überhaupt nichts ein. Ich hätte ihn vielleicht nach dem Rezept seines Lieblingskuchens fragen sollen, stattdessen sage ich: „Kannst mir ja n Herzchen drauf malen.“ Er lacht, und zeichnet sofort was das Fangirl fordert.
Sympathischer Kerl.

Der Tag schreitet voran und nach dem Auftritt von Tarja Turunen steigt die Aufregung. Auch die Sängerin gibt Autogramme und ich fühle mich plötzlich wieder wie die 16-jährige die das allererste Mal Heavy Metal gepaart mit Operngesang gehört hat und seitdem nur noch eines im Sinn hatte: Selber Sängerin zu werden. Gut, mit der Oper hat es nicht ganz geklappt, mit dem Heavy Metal schon.

Als ich vor die zierliche Person trete sprudelt es förmlich aus mir heraus. Dass sie mein großes Vorbild ist, dass ich wegen ihr Sängerin geworden bin, dass ich dank meiner Bandsuche meinen Ehemann kennengelernt habe, dass ich selber Songtexte schreibe und und und.
Und währenddessen tut Tarja etwas, das ich nicht erwartet hätte. Sie legt den Stift beiseite, schaut mich an und hört mir konzentriert zu. Sie fragt nach was für Musik wir machen, nimmt sich richtig, richtig viel Zeit und dann steht sie auf und nimmt mich ganz fest in den Arm.
Wenn man mir vor 20 Jahren gesagt hätte, dass mir das mal passieren würde, ich wäre vollkommen durchgedreht.
Zum Glück bin ich aber keine 16 mehr und falle nicht in Ohnmacht, sondern gehe mit weichen Knien aber erhobenen Hauptes zurück aufs Festival Gelände.


Inzwischen hat der Headliner die Bühne betreten. „Blutengel“ (oder aber auch „Der Dieter Bohlen der Gothic Szene“ genannt) zieht mal wieder alle Register. Ich beobachte das Geschehen von hinten.
Ich glaube auf der Bühne führen sie gerade ein Theaterstück auf. Es geht um 3 Nonnen, die immer ganz viel beten. Und weil das Beten sooo anstrengend ist, wird denen dabei ganz heiß, weswegen sie sich bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen. Ist ja auch ganz schön kräftezehrend diese Beterei. Daher rutscht einer Nonne anschließend auch noch der Becher mit dem Messwein aus der Hand und verteilt sich überall auf ihrem Körper. Ups! Ob die Flecken wieder rausgehen?
Ok. Ich gebe zu, das ist mir doch etwas zu viel Klischee auf einmal. Ich beschließe daher zur zweiten Bühne zu gehen und mir als Alternativprogramm bei „Front Line Assembly“ das Hirn aus dem Kopf zu dreschen.



Impressionen und Bands vom Samstag. Und ja... die Nonnen sind auch dabei (Aber ich sag euch nicht ab welcher Minute! Ätsch!):



24.07.2016  Tag 3

Den letzten Tag gehe ich ganz relaxt an. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und der Asphaltboden im Tanzbrunnen hat sich zu einer Grillplatte erhitzt. Ich ergattere einen der wenigen Schattenplätze und tanze zusammen mit den anderen Besuchern zu „Suicide Commando“ und „Covenant“. Eigentlich will ich mir auch noch den Headliner „The Editors“ ansehen, beschließe aber vorher noch einmal kurz beim Altmeister Joachim Witt vorbei zu schauen, dessen Auftritt parallel auf der zweiten Bühne stattfindet.
Nur ein bis zwei Songs ansehen, mal schauen wie es so ist.
So war der Plan. 
Und dann kommt es ganz anders...


Da steht dieser Herr, der zwischen jedem Song den größten Blödsinn quatscht („Ich war heute Morgen beim Arzt. Der sagt ich mach es nicht mehr lang, aber ich hab mir gedacht, den Abend heute zieh ich noch durch“)  und reißt mich vollkommen in seinen Bann.
Ich kenne kaum einen Song und doch bekomme ich von jedem eine Gänsehaut.
Die Texte beinhalten so viel Wahrheit, so viel Ironie, so viel Mut und offene Worte. Sie sprechen vom Meer, von Freiheit, von Grenzen die man sich selbst setzt, von Arroganz und Gier. Wahrheiten, die manchmal schmerzen.
Wenn ein Kapitän Schwandt singen könnte, er würde dort mit auf der Bühne stehen.
Und ich bleibe.
Nur noch einen Song… und noch einer… ach, den Song hier nehme ich auch noch mit.
Und dann spielt er „Die Flut“ und selbige breitet sich unaufhaltsam in meinen Augen aus. Für mich eines der epischsten, deutschen Lieder der letzten 20 Jahre.
Die Editors auf der Hauptbühne haben bereits ihr Konzert beendet und ich stehe immer noch hier bei einem Joachim Witt und hoffe dass er weiter spielt.
Und das tut er.
Mit dem berühmten „goldenen Reiter“ beendet er schließlich doch den Abend und ich bin um eine Erfahrung reicher.
Nicht alle Stars der neuen deutschen Welle sind auf die schiefe Bahn geraten und meinen ihren nackten Hintern im Dschungel Big Brother Camp in die Kamera halten zu müssen.
Ein Joachim Witt, live auf der Bühne definitiv empfehlenswert!
In diesem Sinne:
Stay professional!

Impressionen und Bands vom Sonntag:


Und Joachim Witt, nochmal als getrennter Zusammenschnitt, weil ich so fasziniert war. (Man entschuldige die manchmal etwas schlechte Videoqualität, aber wenn ich filme, dann immer von möglichst weit hinten damit ich keinem mit dem Handy vor der Nase herumfuchtel)

 
 



Montag, 8. August 2016

Amphi Festival 2016 (Teil1). Oder: Warum Goths nicht Pogo tanzen können


22.07.2016  Call the Ship to Port

 

Eines vorne weg…

An alle Fenstersimskucker und Kleingartensiedlungsinspekteure, die gerne die Vorurteile an den Flurputzplan nageln,  Goths würden nur auf Friedhöfen rum hängen, Katzen schlachten, mit nackten Brüsten Satan huldigen und kleine Kinder verzehren: ES IST ALLES WAHR!


So, wären wir die auch schon mal los, widmen wir uns jetzt also den interessanten Dingen.

Ende Juli war es wieder soweit. Das Amphi Festival fand im Kölner Tanzbrunnen statt. Schwarz gekleidete Menschen aus ganz Deutschland, Europa und sicherlich noch weiter, ließen sich die Sonne auf die noble Blässe scheinen. Wie fast immer hatte das Festival ein wunderschönes Sommerwochenende ohne Regen erwischt. Gut, die Luftfeuchtigkeit hätte eins zu eins mit dem Tropenhaus im Kölner Zoo mithalten können, aber immerhin roch es besser… meistens jedenfalls.

Kölsches Panorama
 

 Am Freitag ging es für mich bereits am Abend mit dem ersten Event los. „Call the ship to port“ heißt die kurzweilige Flusskreuzfahrt, die uns Goths mit einem schicken Schiffchen über den Rhein in Richtung Bonn transportiert.
Da an diesem Abend zwei meiner absoluten Lieblingsbands (Oomph! und Apoptygma Berzerk) auftreten, konnte ich nicht widerstehen und so stehe ich um 18 Uhr voller Spannung in der Warteschlange am Kölner Rheinufer.

Die MS Rheinenergie. Unser Kutter für den heutigen Abend.

Die Stimmung ist fröhlich, die Sonne scheint und ein Riesenarschloch, das in München meint auf Menschen schießen zu müssen, versucht uns allen den Abend zu verderben.
Ja, es fühlte sich zeitweise so an als hätte mir jemand verdorbenen Pudding in den Magen gekippt.
Ich überlegte tatsächlich ab zu brechen und nach Hause fahren. Nach solchen Ereignissen trotzdem feiern?
Aber das Leben und die Freiheit wegen solcher, nach Aufmerksamkeit gierender Versager ein zu grenzen, sollte für Niemanden von uns eine Option sein. Und genau aus diesem Grund gehe ich hier auch nicht weiter auf diese Sache ein.
Es reicht mir einfach!

Schwarzfahrer

Gegen 20 Uhr legt das Schiff unter tobendem Beifall der Gäste ab. Von der Hohenzollernbrücke aus, winken uns einige Fußgänger irritiert zu. Anscheinend wirken wir auf sie wie eine Trauergemeinde auf LSD.
Bei jeder Brücke grölt die Meute was das Zeug hält, schallt es doch immer so lustig von den Brückenpfeilern zurück.
Ich genieße die Zeit in der Sonne und beobachte den Sonnenuntergang hinter den futuristischen Kranhäusern von Köln.
 
Wohnt Podolski eigentlich immer noch da?

Um 21.10 Uhr steht dann der erste Programmpunkt unter Deck an.
Oomph! betreten die Bühne.
Ok, sofern man das Bühne nennen kann. Würde man eine Pappkartonwand davor stellen, könnte man darauf Kasperle Theater spielen.
Aber ganz ehrlich: Wie geil ist das denn bitte?
Die Lieblingsband so nah vor sich zu haben, das kann man nicht alle Tage erleben.
Ich genieße den Auftritt und versuche zurück zu rechnen wann ich die Jungs zum ersten Mal Live gesehen habe. Als meine Finger dafür nicht mehr ausreichen versuche ich die Wahrheit zu ignorieren, ähnlich wie die ersten grauen Haare auf meinem Kopf.

Oomph! jedenfalls haben sich gut gehalten und präsentieren uns ein buntes… äh… schwarzes Potpourri aller Songs der bisherigen Bandgeschichte. Es macht einfach nur Spaß und hin und wieder wirft mich die hüpfende Menge aus meiner super Position in der dritten Reihe.
Ok… ich glaube man hat versucht Pogo zu tanzen. Aber wir Goths sind für Pogo einfach zu lieb. Da wird die wall of death eher zu einer wall of „oh ich brems lieber schnell ab bevor ich einem weh tu“. Ich mag diese Leute.


Nach Oomph! (Herrgott ja, das Ausrufezeichen gehört zum Namen du dusselige Grammattikprüfung) gönne ich mir eine Pause und ein Kaltgetränk an Deck.
Das Schiff fährt durch ein Meer aus Lichtern der Raffinerien von Wesseling. Es ist als würden hier die größten Weihnachtsbaumketten der Welt produziert. Der Anblick ist so unwirklich und faszinierend, dass ich darüber die Zeit vergesse. Zu spät fällt mir auf, dass in nur wenigen Minuten Apoptygma Berzerk auf der Bühne stehen.
Verdammt!

Dampf und Lichterfabrik

Als ich unter Deck sprinte ist mein toller Platz vorne bereits vergeben. Aber zum Glück ist der Konzertraum nicht wirklich groß, daher habe ich auch in der Mitte hervorragende Sicht.
Dennoch ärgert es mich ein bisschen den Frontmann Stephan Groth nicht direkt vor der Nase zu haben.
Er hat irgendwie etwas von einem manisch depressiven Koalabären. Niedlich oder?
(Ihr braucht euch nicht zu verstellen. Ich kann eure „was zum Henker?!?!?“ Gesichtsausdrücke förmlich spüren)

Hallo hier! Hier! Ich bin hier hinten! Hallooooo!

Als ich das Schiff um Mitternacht wieder verlasse, lege ich mir das neu erworbene Apop-T-Shirt über die Schultern und genieße die laue Sommernacht. Am Rheinufer flanieren Menschen, es riecht nach Shisha, alle genießen das Leben friedlich und gemeinsam unter ein und demselben Sternenhimmel.
Warum kann es nicht immer so sein? Es ist doch so leicht?

Ob die Herrn Groth wohl heimlich da drin transportieren? *Klopf, kopf*



Eine Sache tröstet mich: Vor mir liegen noch zwei weitere Tage Amphi Festival. Und was da so passiert ist, darüber berichte ich beim nächsten Mal.
Bis dahin:

Stay Professional!

 


P.S. Wer schauen möchte was meine Lieblingsbands, deren Namen so klingen als hätte jemand beim Tippen die Tastatur unter Strom gesetzt, an dem Abend so auf die Bühne gebracht haben, hier ein Zusammenschnitt meiner Videos. Hach… ich könnt schon wieder. *seufz*



Mittwoch, 29. Juni 2016

I’m only German. Or: Why I take my right to speak out loud!

Yes I’m German and no, I don’t live in England! 
So why the hell should I have the right to speak out loud about the current situation in Britain? 
Why should I tell people in another country what’s right or what’s wrong? 
That’s none of my business!

Well, first of all I have to point out that this post is not about pro or contra of the Brexit. I respect what people have voted and this is not under discussion. 
What worries me is the very alarming development of xenophobia in the UK, I have witnessed during the last few days. 
But why should I care? 
Well, first of all: I used to live in the UK. 
Ok, it’s already nearly 16 years ago since I left my second home Derby. I lived and worked there for nearly one year. A German company gave me the opportunity to make this very unique experience. The English colleagues were a blessing. They made this year the best year of my whole life. They were so friendly, brought me into their community and introduced me to their families. After this year I was even asked to stay in England for good and believe me, it was a very, very tough decision to go back to Germany. 
However, since then I always talked about this wonderful country, the wonderful people, the wonderful language, the wonderful multi cultural society. 
I did not know that from my hometown in Germany. 
Believe me, my friends over here always make a lot of jokes about me, because I’m wearing Union Jack T-Shirts, Shoes, Umbrellas, Socks etc. all the time. 
I fell in love with the TV Show Doctor Who, before it had even aired over here. 
I have to visit my second home at least once a year, otherwise I feel like I’m missing something.
Four years ago I went to a theatre play in London. I camped outside together with other people, to get tickets on the next day. It was an amazing experience that has connected me to London and opened my mind to the incredible work of Shakespeare. 

Found on a wall at Borough Market

So once or twice a year, I step on the train, drive through the channel tunnel and enjoy a weekend in London, watching theatre plays or just enjoy the atmosphere. 
I even joined the members club of the Barbican Theatre to support their plays. 
Most of the time I visited London on my own. Sometimes I took a friend or my husband with me. 
But when I was alone, I was always felt absolutely safe on the streets of London. 

When I came back from these trips, I told my friends how amazing this town is and how I admire people living there, being privileged to get the best of all the different cultures and people. 

England was always my own little church, that supported my soul when I struggled in everyday life and deep inside I always thought: Maybe one day I go back to England and live there for good. 

Last Friday this pretty little church was smashed by the Brexit. 
But that’s ok. I have to live with that. It was only a dream that comforted me in tough times.
But then I read and heard and saw all these incidents about xenophobia and it rips my heart into pieces. 
Sometimes I hope that this is just a nightmare and I will wake up any minute. But it is not. 

I always felt welcome in London! <3

I used to write a Blog about the wonderful day’s I have spent in London. But how should I tell my friends in Germany about the colorful scenery in Camden, the different faces on the tube, the friendly people in the shops, if such tragedy shatters my heart? 

But the worst thing is, that some people I thought I knew, keep posting “funny” pictures on their Facebook timeline. 
For example the solid brick wall that’s closing the channel tunnel for good. 
Yes, I’m not welcome any more. 
Maybe as a tourist, that brings money, but nothing else. 
Fuck off, you don’t belong to us anymore!  
They don’t even talk to me anymore, from one day to the other. 
If I already feel such grief, how terrible must it be for people who actually settled down in England? I would have been in the same situation, if I had chosen a different path back then in Derby. 
So people, who welcomed me, suddenly turned their back on me. 
But for what reason? 
Still there’s my question: What have I done to you? 
Please tell me? 
What have I done that all of a sudden you smash all your anger right into my face? 

But hey, I’m not British. I’m only German. I should not interfere.

BUT THAT IS WRONG! 
Why? 
BECAUSE I am German, I have the biggest right to speak out loud! 

I can remember, one day I was walking through the beautiful countryside of the Peak District. 
An old man passed me and when I was greeting him, he asked me where I came from. When I answered: “From Germany”, he grinned, rose his right hand and shouted “Heil Hitler!”. 
And believe me, that was not the only incident like this. 
But I did not bother. 
I did not blame people saying this to me. 
Hey, it still is our past and even though I was not even born then, pupils in Germany are taught very detailed WHY we should never ever forget our past. 
Because it has a reason! 
And this is why I’m so anxious to get these words out. 
Building a huge brick wall around your country is not a good idea! 
It’s only 26 years ago since the Berlin wall came down. 
TWENTYSIX years, and people forgot all about it. 
They are making the same mistake again. Well, most of them did not live in the eastern part of Germany, neither did I, but I know a lot of people who did and who shared their story with me. 

It all started with a nation that thought that living in isolation would be better for them. 
No foreigners, no other goods than the ones produced in their own country. 
But a wall is also closing the other direction! 

The other historical events in Germany are a few more years ago. 
But then again, nearly every day a British TV station is airing a history documentary. But it seems that no one is watching them? 
It seems to me they are only used as some kind of screensaver?!? 

It scares me to death to see that history repeats itself. 
We often asked our grandmother how they could have let this catastrophe happen. 
She answered: “Because they promised us things. It all started with fear. The politicians started to point at the Jews. They were taking our jobs, they were criminals, they earned money we should have earned. We all agreed! And then we started to point at them, the Jews, who did not belong to our country. This is Germany! Not the land of jewish or polish man and woman. One day pointing was not enough anymore. We had to label these people so we all knew that we had to stay away of these families. They were evil, we had to get them out of our country. We thought that what the politicians did, would be the right thing. At this stage the force of the leaders was already too strong, and when we recognized our mistake, it was too late to speak up. People were dying inside chambers with gas.”

Underneath the Facebook picture of the brick wall tunnel, some English people posted: “Before you close the wall, put some migrants in there and fill it with water!” 
I answered straight into their face: “Wouldn’t be gas a better alternative?” 

I know it sounds very hard, but if you don’t stand up against these comments, the wrong side will grow and grow and grow. Just as it already did during the last years and now it’s finally showing its ugly face. 
People must realize that these are not lapidary jokes any more.  

But I still have a lot of hope, because there are so many wonderful people out there in Britain, who already stand up and speak out loud. 
Say no to racism! 
I thank you so much for these activities and I feel blessed to know a lot of you! 
You are the people who can make this world a better place. 

Multi Cultural Life in London! Isn't that scary?.... Not! ;-) 


It’s not only about London, not only about England or Britain. It’s about the whole world. 
Hate and spreading fear has never been a solution. 
Fear will lead to hate, hate will lead to violence which makes racism the worst terrorism of all. 
Don’t let that happen! 
I know you can do it. 
I will “fight” together with you, over here in my own country where Racism unfortunately is growing again, too. But we are also a big community who stands up against this new wave of hatred. 
Let’s not fight it with violence, let’s fight it with words and explanations and kindness. 
I know it will be tiring job, but once we give up, we will lose our freedom and a wonderful, multi-cultural world. 

Peace! 


Pavement in London (I)

Pavement in London (II)


Camden / London

Dienstag, 21. Juni 2016

50 shades of Garantie. Oder: Warum niemand meine Wäsche waschen will.

Update! Da es zu diesem Fall neue Infos gibt, wurden die Namen der Hersteller, Händler etc. herausgenommen. Mehr dazu am Ende des Textes.


ACHTUNG! 
Dies ist eine Warnung! 
Eine Warnung vor 50-monatige Garantien.
Warum? 
Nun, macht es euch gemütlich, kuschelt euch auf das Bärenfell vor dem Kamin und lasst mich diese Anekdote erzählen, die sich so, und genau so, im sagenumwobenen Bergischen Land zugetragen hat. 

Unsere Waschmaschine hatte Anfang Mai beschlossen ihren Dienst ein zu stellen. Was sie zu diesem drastischen Schritt getrieben hat wissen wir nicht. 
Sie ging einfach aus. Dann ging sie mal wieder an, dann hatte sie es sich wieder anders überlegt und ging wieder aus. Wäsche waschen war ab dann passee. 
Dummerweise passierte das nach genau 2 Jahren, ABER wir hatten ja eine 50 monatige Garantie beim Händler abgeschlossen. 
Wir sind ja sonst Sparfüchse, aber das ham wir uns mal gegönnt. 
Ist ja schließlich nicht gerade angenehm, wenn man am langen Wochenende plötzlich ohne Unterhose da steht und den letzten Groschen zuvor für die kleine, gemischte Tüte im lokalen Tante Emma Laden ausgegeben hat, ergo kein Geld für ne neue Waschschleuder zur Verfügung steht. 
Nein, da lassen wir uns nicht lumpen, da sichern wir uns lieber ab.

Frohen Mutes ging es also ab zum Händler nach Hückeswagen. 
Aber wir Dummerchen hatten uns leider vertan. Der freundliche Mitarbeiter sagte uns, dass wir die Reparatur nicht beim Händler, sondern beim Hersteller direkt anfordern müssen. 
Also zurück nach Hause und das Telefon aufgeklappt. Doch dahinter war leider der Zonk versteckt, denn der Hersteller wiederum sagte uns, dass wir den Waschmaschinenreparaturfachmann nicht bei ihnen, sondern bei einem von ihnen vorgegebenen, externen Dienstleister bestellen müssten. Die hatten allerdings schon Feierabend und das Wochenende stand vor der Tür, natürlich ein langes! 
Aber zum Glück lagen ja noch genug saubere Unterhosen in der Wäscheschublade. 

Am Montag horchten wir dann mal beim Dienstleister nach und freuten uns darauf Bekanntschaft mit dem Waschtrommelganzmachexperten zu machen. 
Aber, leider gab es da noch so ein klitzekleines Problem. 
Der Dienstleister sagte uns, dass ja nicht wir, sondern der Händler eine Beauftragung schicken muss. 
Wir hatten ja gerade nichts zu tun (außer ein paar Wäschekörbe in der Verwandtschaft zu verteilen, weil so langsam reichte es nicht mehr aus die dreckigen Handtücher nur aus zu bürsten), also fuhren wir zurück zum Händler in Hückeswagen. 
Dort sagte man uns, dass das aber so nicht stimme. 
Was?
Sind die Mitarbeiter vom Dienstleister etwa Lügner? 
Ich bin entsetzt! 
Wir sollten also wieder beim Dienstleister anrufen. 
Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, dass die leider schon im Feierabend waren. 

So ging das Ganze ein paar Tage hin und her, woraufhin wir vor lauter Verzweiflung wieder beim Hersteller anklingelten. 
Immerhin gaben die uns den wirklich unfassbar guten Rat, doch mal die Reset Taste an der Waschmaschine zu drücken. 
Reset Tasten sind echt was Feines! 
Das Allheilmittel für die Welt! 
Manchmal wünschte ich mir so mancher Politiker hätte auch solch einen Schalter… aber das ist ein anderes Thema. 
Allerdings wollte unsere Taste einfach nicht das tun was man von ihr verlangte, nämlich reseten (oder haben wir übersehen, dass unsere reset Taste auch eine reset Taste hat? Und was passiert wenn diese zweite reset Taste auch defekt ist?!). 

Nun war es so, dass jetzt unser Urlaub vor der Tür stand. Also beschlossen wir der Waschmaschine, dem Händler, dem Dienstleister und dem Hersteller eine Pause von diesem Martyrium zu gönnen und verließen erst mal das Land. Glücklicherweise ging es nicht in die Servicewüste sondern nach Norwegen, da braucht man Winterklamotten und davon waren noch genug im Schrank. 

Nach unserer Rückkehr stapelten sich inzwischen Unterhosen, Handtücher, Bettwäsche und nicht zu vergessen, jetzt auch noch eine Ladung Wintersachen in der Waschküche. 

Also erneut beim Händler vorbei gefahren, denn an seinem letzten Urlaubstag macht man schließlich nichts lieber als solche Dinge zu regeln. 

Und ENDLICH stand ein Engel hinter dem Tresen, der verstand warum wir mit leicht geröteten Augen, eingefallenen Wangen und ein paar Fliegen, die über unserem Kopf kreisten, inzwischen einen leicht labilen Geisteszustand hatten. Sie würde jetzt einfach mal über das Protokoll hinweg gehen und selber mit dem Hersteller sprechen. Die würden sich dann bei uns melden und der Kleidungsreinigungsgerätereparierexperte würde umgehend bei uns vor der Haustür stehen. 

Nach drei Tagen starrte ich immer noch auf die Straße vor unserer Tür, mit gläsernem Blick und gebrochenem Herzen. Ähnlich erging es meinem Mann, dem anstatt des blechernen Klingeln des Telefons nur ein Lied im Gehörgang schallte: „Kein Schwein ruft mich an!“

Also wurden wir wieder tätig. 
Ein Anruf beim Hersteller bestätigte: Dort lag gar kein Auftrag vom Händler vor. 
Der nächste Anruf beim Dienstleister bestätigte: Dort lag kein Auftrag vom Händler vor. 
(Komisch. Klingt so als hätte ich den gleichen Satz einfach zweimal geschrieben...)

Mein Mann wurde nach dieser letzten Information plötzlich ganz grün im Gesicht, gab nur noch gurgelnde Laute von sich, stieg in sein Auto und verschwand für ein paar Stunden. 
Ich war davon ausgegangen, dass er an der Seite der Avengers die Welt retten würde, aber stattdessen verbrachte er erneut einen wundervollen Feierabend (der ohnehin total überbewertet wird) beim Händler in Hückeswagen. 
Er bat die Mitarbeiterin dort doch bitte unsere Wäsche zu waschen, sie hätten doch so viele Waschmaschinen vor Ort. 
Leider kam er ohne saubere Wäsche zurück, ABER mit einem Termin! 

Am Dienstag den 21.06.2016 würde ein Mitarbeiter des Dienstleisters am Nachmittag bei uns aufschlagen um der Waschmaschine endlich zu zeigen wo der Hammer hängt. 
Ich musste weinen. 
Noch unglaublicher: Noch am gleichen Abend bestätigte uns sogar der Dienstleister selber, nochmal den Termin am Telefon. 
Ich zündete Kerzen an und spendete aus Dankbarkeit für meine erhörten Gebete, 200 Euro an den Kaninchenretter e.V. in Castrop Rauxel. 

Heute ist der 21.06.16… Es ist 19.02 Uhr. Ganz Deutschland sitzt vor dem TV und schaut das Fußballspiel Deutschland gegen Nordirland. 
Vermutlich auch die Mitarbeiter vom Händler, dem Hersteller und dem Dienstleistungsunternehmen. Der Saubermachgerätegedönsganzmacher hat sich wahrscheinlich auch schon die Partie davor gegönnt, denn aufgekreuzt ist er nicht. 
Aber ich gebe zu: Eigentlich sollten wir dem Dienstleister bzw. dem Händler ja auch Dankbar sein. 
Schließlich hat meine bessere Hälfte für den Termin heute früher Feierabend machen können. 
Ging nur seine Gleitzeit für drauf und es sind ein- zwei Aufträge liegen geblieben. Ist ja nicht schlimm, wenn man wegen ner Waschmaschine den eigenen Arbeitgeber zurückstellt. 
Da muss man halt auch mal Prioritäten setzen!

Mein Mann, der mittlerweile nur noch wimmernd in der Ecke sitzt, hatte zum Glück den Dienstleister telefonisch erreicht. 
Der Mitarbeiter sagte uns (und ja, jetzt wird es ein ganz klein wenig kurios), dass das Ersatzteil ja noch gar nicht geliefert sei. 
Moment mal? 
Sind die vom Dienstleister irgendwann heimlich in unsere Wohnung eingestiegen und haben die Waschmaschine begutachtet? 
Muss ich mir Sorgen machen? 
Oder arbeitet die Ehefrau von deren Geschäftsführer bei Astro.TV und hat flugs mal die Schakkra Pyramide befragt warum unsere Waschmaschine denn so unpässlich ist? 

Nun, Tatsache ist, dass irgendein ominöses Ersatzteil im Wert von über 200 Euro bestellt wurde. 
Der Mitarbeiter gab dann auch noch in einem kurzen Nebensatz zu verstehen, dass diese Art von Ersatzteilen im Übrigen wahrscheinlich auch gar nicht in der 50 monatigen Händler Garantie enthalten sind. Bei diesen Kosten macht es wahrscheinlich mehr Sinn sich direkt eine neue Waschmaschine zu kaufen. (Klar, so ne Waschmaschine ist ja auch ein Wegwerfartikel. Nach 2 Jahren ist das Teil absolut unbrauchbar. Mach ich im übrigen auch immer mit meinen Autos, wenn der Blinker kaputt ist. Mein Haus werfe ich demnächst auch weg. Ist ja schließlich voll mit ungewaschener Wäsche. Da will doch keiner mehr wohnen.)

Sehr geehrte Damen und Herren vom Händler in Hückeswagen. Bis Ende der Woche habt ihr noch die Chance diese Sache irgendwie gerade zu biegen, damit wir unsere Unterhosen endlich wieder waschen können. 
Glaubt mir: Zwei Mal Unterhose von links auf rechts wenden is schon fies, manche sagen vier Mal Wenden würde auch gehen. 
Ich sage: Nein! Denn da hilft auch keine Penaten Creme mehr um das zu kompensieren… Aber ich schweife ab. 

Ich könnte mein hart verdientes Gehalt auch an einen Anwalt verschwenden, aber ehrlich gesagt, das ist doch langweilig und ich fände es viel effektiver und werbewirksamer, wenn wir unsere verstorbene Waschmaschine in der kommenden Woche bei euch vorbei bringen. 
Zusammen mit unserer dreckigen Wäsche. 
Und damit das Ganze auch nicht so langweilig wird, stelle ich vorher bei Facebook eine öffentliche Veranstaltung ein, damit auch genug Leute an diesem historischen Jahrestag der Verbraucherverarschung teilnehmen können. 
Vielleicht hat der ein oder andere von denen ja auch noch ein entschlafenes Haushaltsgerät zu Hause? 
Könnt ihr gerne mit dazu packen. 
Ich bring auch Nudelsalat mit. 

Bis dahin: 
Stay Professional!

Auf ihrem Grabstein wird stehen: Ich lebte noch, aber man hat mich einfach aufgegeben. 




23.06.16: Kaum zu glauben aber wahr! Nach 2 monatigem Martyrium und unendlichem Hin und Her, kam heute der Waschmaschinenreparatursuperduperheromegaman! NEIN, die Waschmaschine ist IMMER NOCH NICHT repariert. Man konnte den Fehler leider noch nicht ausfindig machen, ABER man ist jetzt an der Sache dran. Ich hielt es daher nur für fair die Namen jetzt erst mal unkenntlich zu machen, schließlich ist wenigstens etwas passiert. Und der Monteur war wirklich sehr nett und kann für die ganze Sache am aller wenigsten. Wir warten jetzt mal die kommende Woche ab. Wenn das Chaos dann wieder los geht, setze ich mich auch gerne wieder an diesen Post hier und schreibe die Namen wieder rein. Hab ja sonst nix zu tun. Vor die Tür kann ich mich in den Stinkeklamotten ja eh nicht mehr wagen. ...