Samstag, 1. Juli 2017

Müttergedöns. Oder: Eigentlich wollte ich doch…


Hätte, hätte Fahrradkette.
Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre.
Würde, könnte, wollte…


Ich sag mal so.
Eines wollte ich auf jeden Fall definitiv: Irgendwann mal Mutter werden.
Aber im Zusammenhang damit gab es so viele Vorsätze, die sowas von in die Toilette gefallen sind, just in dem Moment wo man die Spültaste bestätigt hat.

1) Eigentlich wollte ich doch nie in Mütter Foren posten.

Verdammt! Und dann habe ich es doch getan. Zu Beginn der Schwangerschaft. Da war ich noch naiv, glaubte an das Gute im Menschen und stellte eine belanglose Frage. Ergebnis war, dass ich von einer Stampede von Übermüttern, die vermutlich gestern gerade das zwölfunddrölfste Kind rausgedrückt haben, überrannt und niedergemacht wurde.
Mein lieber Herr Gesangsverein. (Die Fragestellung war übrigens, ob man dem Arbeitgeber ggf. schon vor Beendigung der kritischen, 12. Woche über die Schwangerschaft unterrichten sollte. Holla, ich wusste ja nicht, dass ich mit solch einer Frage direkt den dritten Weltkrieg auslöse.)

2) Eigentlich wollte ich doch Sport treiben.

Haha! Sag das mal deinem Kopf, der gerade hauptsächlich damit beschäftigt ist dem Magen einzutrichtern, dass er jetzt endlich mal Ruhe geben soll und doch bitte das soeben zu sich genommene Essen, nicht wie ein trotziges Kind in die Ecke pfeffern möchte. Im Schatten dieses Zweikampfs, freut sich der innere Schweinehund und breitet sich so richtig gemütlich aus.

3) Eigentlich wollte ich doch eine taffe, Schwangere sein, die sich tapfer bis zum Beginn des Mutterschutzes ihrem Arbeitgeber bis zum letzten Atemzug zur Verfügung stellt.

Und dann merkt man plötzlich, wie leichtfertig man in den vergangenen Jahren mit Medikamenten jongliert hat. Hier ne Migräne Tablette, da Kortison, dort was gegen Übelkeit, hier was gegen Erkältung, etc. pp.
Alles von heute auf morgen TABU. Der Entzug kommt einen vor wie diese Szene aus Trainspotting wo Ewan McGregor in seinem Bett liegt und das Baby an der Zimmerdecke über ihm krabbelt.
Und so kommt es dann, dass man sich ohne entsprechende Drogen plötzlich mit akutem Nesselfieber und wässrigen Quaddeln am ganzen Körper in eine gallertartige Qualle verwandelt und außer auf dem Bett liegen und Atmen, nichts mehr zustande bekommt.
„Aber keine Sorge Chef… ich komm morgen schon wieder… ganz bestimmt! *röchel*“
(Man was hat meine Ärztin wieder herzlich gelacht)

4) Eigentlich wollte ich doch keine Mütter verprügeln, die mir die ganze Zeit davon erzählen wie toll es ihnen doch in der „Kugelzeit“ ging, und wie sehr sie es doch genossen haben schwanger zu sein.

Ok, noch hab ich mich zusammengerissen. Aber Freunde,... was nicht ist kann ja noch werden.

5) Eigentlich wollte ich doch so lange ich noch kann, sämtliche Partys der Umgebung stürmen.

Spätestens um 21:00 Uhr sagt mein Transportmittel namens Körper: „So, husch husch in die Falle.“
Nein, eigentlich sagt er es nicht. Er nimmt einfach einen klobigen Holzhammer und schlägt mir damit so fest auf die Birne, dass ich froh bin es überhaupt noch bis ins Bett zu schaffen.
Und immer dran denken: Red Bull verleiht zwar Flügel, aber wenn das eigene Kind nicht im Alter von 2 Jahren schon ein Trash und Speed Metal Fan werden soll, der seiner Lust 24h am Tag frönt, der sollte Energy Drinks in der Schwangerschaft tunlichst unterlassen.  

6) Eigentlich wollte ich doch keine gebrauchte Sachen kaufen.

...da ich aber kein Millionär bin und zudem seit einiger Zeit verstanden habe, dass die Asiaten einen perfiden Plan entwickeln und uns Europäer mit Chemieverseuchten Babyklamotten auslöschen wollen, greife ich doch gerne auf Sachen zurück, die den Chemiecocktail bereits in Waschmaschinen anderer Mütter versprüht haben.

7) Eigentlich wollte ich mich doch nicht in der Schwangerschaft beschweren.

Ganz ehrlich: Trotz Allem freue ich mich wahnsinnig. Verdammt, da sind lustige kleine Beinchen und Ärmchen in meinem Bauch drin. Die kitzeln einen von innen und sehen so drollig aus und sind einfach nur liebenswert und überhaupt… (hier bitte bunten Glitzer und Herzchen in den Augen einfügen. Ja, glaubt es oder nicht, aber es ist wirklich so!)

8) Eigentlich wollte ich doch nie über Baby und Müttergedöns bloggen.

…. Ach leck mich doch!

In diesem Sinne:

Stay Professional! (18. SSW)

...eigentlich wollte ich doch keine Bilder von der Plautze posten.



Freitag, 23. Juni 2017

NiNe. Oder: Warum 50 Shades of Grey nicht im Weltraum spielt

Für meinen Mann gibt es vier Kategorien von Filmen, die er selber aufgestellt hat:

- Autofilme
- Schießfilme
- Knutschfilme
und
- unrealistische Filme.

Ok. Seit einer etwas schwer verdaulichen Abhandlung über 50 verschiedene Grautöne, ist noch eine weitere Kategorie hinzugekommen:

- Popo-Klatsch Filme

Drei Mal dürft ihr nun raten zu welcher Kategorie er meine Lieblings Genres Science Fiction und Fantasy zählt. (Also bitte. Ich weiß ja nicht in welcher Schmuddel Videothek ihr unterwegs wart, aber es sind definitiv nicht die Popo-Klatsch Filme. 50 Shades of Grey im Weltraum. Ich bitte euch. Bindet Christian Grey seine Olle da auf nen Photonentorpedo anstatt ans Andreaskreuz?).

Ja es sind diese Momente in denen ich gebannt vor dem Fernseher sitze, mir vor Spannung auf die Unterlippe beiße und hoffe, dass das Ende der Welt doch noch durch den mutigen Raumschiffpiloten abgewendet wird. Und dann höre ich dieses leise Schmalzen von dem Sitzplatz unmittelbar neben mir.
Es hört sich so an, als würde jemand versuchen ein Stück Mettwurst aus den Zahnzwischenräumen zu pulen. Doch in Wahrheit ist es ein Laut der Verachtung.
„Unrealistisch. Totaaaaaler Quatsch.“
Er spricht die Worte nicht aus, aber das Zischen der Zähne gräbt sich wie ein rostiger Pfeil direkt in mein Kleinhirn und löst einen unmittelbaren Reflex aus.
Das Ballen einer Faust.

Es ist schwer verdaulich, aber in solchen Momenten wird mir schmerzhaft bewusst: Du hast einen NiNe geheiratet. Einen Nicht-Nerd.
(Ich hätte es auch Nicht-Geek nennen können, hatte aber Angst, dass die Abkürzung NiGe irgendwie in den falschen Hals kommt… Aber ich schweife ab)

Aber ich habe meine Faust wie immer unter Kontrolle und rede mir Mantra-artig ein:
Der kann nix dafür. Dat muss die Erziehung schuld sein.

Ich gebe zu, ich habe schon Vieles versucht um ihn auf die fantastische Seite der Macht zu ziehen.
So manches Mal stand ich, das Manifest der Obersten Direktive auf Brusthöhe haltend vor unserer Haustür, klingelte und teilte dem Ehemann dann mit verklärtem Gesichtsausdruck mit:
„Entschuldigen Sie bitte. Ich möchte gerne mit Ihnen über StarTrek sprechen.“

Und liebe Nachbarn, es ist nicht gerade hilfreich, dass ihr jedes Mal, wenn ich mich morgens im Cosplay auf den Weg zu einer Convention mache, dem Ehemann kleine Visitenkarten vorbei bringt, auf denen in dezenten Versalien steht: „Machen Sie Sich Sorgen um den geistigen Zustand Ihrer Ehefrau? Dann wenden Sie Sich jetzt vertrauensvoll an Professor Doktor Schraubelocker.“

Ich weiß ja, dass es bei uns auf dem Dorf nicht gerade üblich ist mit Laserschwert und Jedi Umhang aus dem Haus zu gehen, aber ich beschwer mich ja auch nicht, wenn ihr meine Aussicht mit euren Ballonseiden Trainingsanzügen blockiert.

Hier lese ich übrigens nicht aus Ali Baba und die 40 Räuber vor, sondern zitiere aus dem NiNe Beitrag, im Rahmen eines Vortrages auf der FedCon (Science Fiction Convention).
Einmal wie Torsten Sträter den Vorlese Onkel (äh Tante) spielen. Individuell,...kann ich! ;-)
Foto by: Oti Würtz




Aber zurück zu dem NiNe.

Was ich einfach nicht verstehe ist: Wie kann jemand, der bei Harry Potter permanent die Augen verdreht, gleichzeitig auf eine Serie stehen, in der ein hochgewachsener Mann in Lederjacke und 80er Jahre Minipli, ununterbrochen mit seinem Auto redet?
Der Ehemann macht es sich einfach und schiebt diesen Sonderfall einfach in die Kategorie "Autofilme".
Lieber K.I.T.T.: Du kannst verdammt glücklich sein, dass du nur bis in den zweiten Stock springen kannst. Würdest du es mit dem Turbo Boost bis in den Weltraum schaffen, hättest du dich sofort disqualifiziert. Ich wollt‘s nur mal gesagt haben.

Aber er gibt sich ja Mühe. Das muss ich zugeben.
Wenn ich mal wieder quengelnd vor ihm stehe und ihn bitte mich ins Kino zu begleiten, dann lässt er sich tatsächlich hin und wieder breitschlagen. Er war sogar mit mir im Film „Star Trek. Into Darkness“. Selbst das Schnalzen hat er sich verkniffen. War aber auch besser so, schließlich trug er an dem Abend ein rotes T-Shirt. Ich hab mal nix gesagt...

Was mich aber noch mehr verblüffte war, dass er sich die Schauspieler tatsächlich so gut eingeprägt hatte, dass er Wochen später Zachary Quinto in einem anderen Film wiedererkannte.
„Kuck mal! Das ist doch der Schpock?“

Man soll ja auch Kleinigkeiten loben, anstatt sofort den Fehler zu kritisieren. Aber wie bringe ich ihm jetzt bitte noch bei, dass es sich um einen Vulkanier und nicht um die neueste Flohmarkt App handelt?

Und dann die Sache mit meiner absoluten Lieblingsserie „Doctor Who“. Wer kennt sie nicht, diese eine Frage, die sich so anfühlt als würde man mit dem Gesicht voran gegen eine Betonwand rennen. „Aber ich dachte in England sind die Telefonzellen alle rot?“ 

Oder:

„Wie heißt die Serie?“
„Doctor Who“
„Wer?“
„Who“
„Wer heißt so?“
„Der Doctor“
„Welcher Doctor“
„Doctor Who“
"Wer?”
Aaaaargh!

Dennoch, trotz all dieser Diskrepanzen in unserer Freizeit- und Kulturgestaltung kann man sagen:  Gegensätze ziehen sich an. Und ehrlich gesagt würde ich diese kleinen Streitereien schmerzlich vermissen. Ich liebe meinen NiNe halt so wie er ist.


In diesem Sinne:
Stay professional!


P.S. Und falls ihr die Hälfte der Gags in diesem Blogeintrag nicht verstanden habt, dann dürft auch ihr euch jetzt mit stolzer Brust den Button "NiNe" an Selbige heften.
Ich mag euch trotzdem! Ehrlich!



Sonntag, 12. Februar 2017

Torsten Sträter. Oder: Ode an ein Unterhemd

Wenn das mit Blut, Öl und Schweiß getränkte Feinrippunterhemd von Bruce Willis sprechen könnte, es hätte die Stimme von Torsten Sträter. Es ist diese tiefe Klangfarbe, die sich anfühlt wie geschmolzener Käse, auf dem sich im Ofen bereits eine hauchzarte Kruste gebildet hat… aber ich schweife ab.
Tatsache ist: Torsten Sträter ist mein Idol!
Das meine ich ernst!
Als ich das erste Mal von ihm gehört bzw. gelesen habe stand für mich fest: „Ich will so sein wie der!“
Ok, ... also kein bärtiger Mann mit Mütze und Schilddrüsenproblemen. Ich meinte damit eigentlich die Eloquenz, mit der er mich mit seinen Texten immer wieder fesselt.
Der Typ hat es einfach drauf und schafft es trotzdem, nicht jene, überhebliche Art an den Tag zu legen, wie mancher Poetry Slammer, der einem zuweilen die exotischsten Satzpartikel an den Kopf ballert, die meine Omma selbst als Kreuzworträtselprofi nicht gekannt hätte.
Mein Blog klingt gegen Sträter wie ein Teletubby, der verzweifelt versucht zu erklären, dass er jetzt gerne Erdbeerpudding essen möchte.
 
Hat der da ein Herzchen draufgemalt?!?! EIN H.E.R.Z.C.H.E.N?!?  Awwwww!

 
Gestern Abend durfte ich Sträter zum allerersten Mal Live erleben und es war, um es in meinen Worten auszudrücken, MEGA GEIL! Ich bin froh, dass ich einen gut trainierten Beckenbodenmuskel habe, sonst hätte der ein oder andere Lachanfall ein Malheur ausgelöst, von dem die Putzfrau der Veranstaltungsstätte in Wermelskirchen noch lange berichtet hätte.
 
 
Bester Spruch des Abends (dabei kann ich mir sonst nie sowas merken). Zitat:
 
"Sie wohnen ja schön ländlich hier. Als ich am Ortseingangsschild vorbei gekommen bin stand da Pferdeboxen. ... ... Und ich find doch Hundekämpfe schon schlimm."
 
- Torsten Sträter-
 
Nach dem Auftritt kommt es dann zu meinem ersten Zusammentreffen mit dem Meister.
Es ist der Moment, in dem ich so viel sagen will, in dem ich ihm vor die Füße fallen und Lobeshymnen rezitieren möchte, die nicht annähernd beschreiben können wie genial ich ihn finde.
Aber auf mein Selbstbewusstsein ist wie immer Verlass...
Als ich vor ihm stehe schrumpft mein Sprachschatz auf den eines Einjährigen zusammen und ich bin froh, dass ich wenigstens meinen Namen zustande bekomme.
Egal!
Er hat mein Buch signiert, ich habe die gleiche Luft geatmet (was dann irgendwie doch etwas seltsam klingt, insbesondere wenn selbiger Held zuvor einen sehr langen Vortrag über Flatulenzen gehalten hat) und ich habe mich nicht vollkommen blamiert. Glaube ich zumindest.
 
In diesem Sinne
Stay Professional
Der bemützte Mann vor mir muss grad was unfassbar lustiges gesagt haben. Vermutlich hat er mich einfach nur nach meinem Namen gefragt.. ich erinnere mich an nichts mehr.
 

Sonntag, 5. Februar 2017

Greenhorn. Oder: Warum das hier kein Hair Tutorial wird.

05.02.2017

Es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun.
Dazu gehören unter anderem:
Kochendes Wasser trinken, mit 150 Km/h vor eine Betonwand fahren oder aber mit einer Gabel in einer Steckdose herumporkeln.
Das kann man machen, man sollte sich aber nicht wundern, wenn es einem danach körperlich nicht ganz so gut geht.
Ich bin da ja eher der Skeptiker.
Was, wenn das alles nur fantastische Horrorszenarien der Lügenpresse sind?
Was wenn es gar nicht so schlimm ist?
Jene Art von Skepsis, gepaart mit einem Schuss Abenteuerlust, hat schon in meiner Kindheit dazu geführt, dass die Herdplatte erst dann als tatsächlich heiß anerkannt wurde, wenn die Haut der Handinnenfläche daran kleben geblieben ist. Da konnte Mutter vorher noch so viel predigen.
Ähnliche Neugier verleitete mich in meiner Jugend im Übrigen auch dazu diverse Elektrogeräte genauer unter die Lupe zu nehmen.
Wie konnte es sein, dass aus einem Walkman Musik kam? Wie funktionierte das?
Mein Physiklehrer hätte mir noch tagelang die besten Folgen der Knoff Hoff Show vorführen können. Meine Meinung war: Joachim Bublath lügt und ich glaube es erst, wenn ich es mit meinen eigenen Augen gesehen hatte.
Also wurde das gute, alte, mobile Kassettenabspielgerät schneller in alle Einzelteile zerlegt als meine Eltern mir den Hintern hätten versohlen können.
Doch diese Art der Strafe war gar nicht nötig, saß ich doch am Ende vor einem Schrauben- und Platinenhaufen, gegen den die Einzelteile einer Ikea Kommode wie eine gut sortierte Bibliothek wirkten. Niemand konnte das Ding wieder zusammensetzen. Nicht mal der Radio- und Fernsehtechniker.
 
Aber aus Fehlern lernt man… Sollte man meinen.
Man sollte auch meinen, dass ich inzwischen eine erwachsene Frau bin. Tief im Herzen bin ich aber immer noch das zwölfjährige Mädchen, das dem Papa Sekundenkleber auf die nagelneue Schreibmaschine geschmiert hat um zu testen ob seine Finger daran klebenbleiben (aber das ist eine andere Geschichte).
So kam es also, dass ich eines Morgens im Badezimmer stand und mir dachte: "Was passiert eigentlich, wenn ich mir diese quietschblaue Farbe in meine frisch blondierten Haare schmiere?" Nun was soll ich sagen. Es sah tatsächlich ganz gut aus. Für die ersten drei Sekunden in denen die Farbe meine Haare touchierte. Dann mutierte das Blau plötzlich zu einem Chemieunfall-Grün und mein Gehirn, dass nur wenige Zentimeter unter dem Haaransatz plötzlich befürchtete bleibende Schäden zu erleiden, stieß eine letzte Warnung aus. Ich gehorchte. Bevor die Haarfarbe sich überhaupt richtig verteilt hatte, wurde sie schon wieder abgespült. Ob ihr es glaubt oder nicht, das Resultat sah eigentlich ganz gut aus!
Ehrlich!
Ein pastelliger Ton schmückte meinen Haaransatz, eigentlich genau das was ich mir erhofft hatte. Dummerweise erstreckte sich dieser Farbton nur über Teile meines Haupthaars, da ich die restlichen Strähnen vor Schreck gar nicht erst eingefärbt hatte.
Ich hatte nun also einen pastellblau-grün-gefleckten Leopardenkopf.
Nach fünf Haarwäschen und keinerlei Veränderung wurde mir bewusst, dass diese Idee mit den bunten Haaren irgendwie doch nicht die beste war.
Aber was nun? Selber daran weiter fummeln oder doch lieber jemanden kontaktieren, der sich damit auskennt.
Ich entschied mich für die zweite Variante… und machte damit einen kleinen Chemieunfall zu einer nuklearen Katastrophe.
Das zwölfjährige Mädchen in mir wurde trotzig und der falsche Stolz ließ  nicht zu, dass ich zu meiner Stammfriseurin ging.
Was sollte die denn von mir denken?
Nein, einfach heimlich woanders hin, dann fällt das nach drei Wochen bestimmt gar nicht mehr auf. … Dachte ich.
 
Im Ausweichsalon sah man mich an als hätte ich zu viele bewusstseinserweiternde Substanzen zu mir genommen. Dabei fand ich die Farbe ansich doch eigentlich richtig cool! Ich wollte sie nur gleichmäßig auf meinem Kopf verteilt haben.
Das schien für die Mitarbeiter dort aber ein Ding der Unmöglichkeit. Mir wurde ein zweistündiger Vortrag gehalten wie blöd ich doch war und dass diese spezielle Farbe, nie wieder raus zu bekommen sei.
Alternative wäre: Haare dunkel färben oder „wat knalliges drüber“.
Das war die falsche Aussage, denn wer mich kennt der weiß: Bei bunt und knallig leuchten glitzernde Herzchen in meinen Augen.
 
„Pass auf, isch tu dir da blaue Strähnschen drauf machen“, sagt die Dame im Ausweichsalon und dann nimmt das Unglück seinen Lauf. Während ich in meiner Fantasie noch von wellig, blauem, Prinzessinnen-Mermaid Hair träume, färbt sie etwas auf meinen Kopf, das mein Leben auf eine drastische Art verändern sollte.
Im ersten Moment sieht es sogar noch ganz nett aus, doch als ich ans Tageslicht trete, scheint es als hätte man mich in eine Parallelwelt gebeamt.
Irgendetwas ist anders. Meine Mitmenschen verhalten sich ...seltsam.
Ich wechsle wirklich ständig meine Haarfarbe und habe schon die verrücktesten Farbkombinationen ausprobiert, aber noch nie, NOCH NIE (!) sah ich aus wie ein Schalke 04 Streifenhörnchen auf einem LSD Trip!
Darauf kommt mein Umfeld irgendwie gar nicht klar. Es sind lächerliche zwei Minuten, die ich vom Friseursalon bis zur nächsten Bäckerei brauche.
Zwei Minuten in denen ich ein letztes Mal das Gefühl habe, irgendwie cool aus zu sehen.
Es ist der Moment als die Bäckereifachverkäuferin aufblickt und vor Schreck fast kopfüber in die Teilchenauslage fällt.
„Ach du Scheiße! Sind das ihre echten Haare?“
In meinem Herz zerbricht irgendetwas, aber ich schlage mich wacker. Ich wollte es bunt, also stehe ich auch dazu. 
Wenn man die alternativen Fakten betrachtet, sieht das hier wunderschön aus! :-)



Doch die Blicke meiner Mitmenschen werden plötzlich wie von einem viel zu starken Magneten angezogen.
Sie blenden alles, was mich ausmacht aus.
Sie übersehen mein freundliches Lächeln, überhören wie ich sie begrüße.
Sie nehmen nur noch das grünblaue Desaster auf meinem Kopf war.
Und ihre Blicke spiegeln etwas wieder, dass ich so noch nie so intensiv am eigenen Leib zu spüren bekommen habe.
Verwunderung, Entsetzen, … Abschaum.
Das Einzige was sich an mir verändert hat ist meine Haarfarbe und doch scheine ich plötzlich jemand ganz anderes zu sein.
Ich bin eine verwirrte Frau, die auf einmal nicht mehr ernst genommen wird.
Ich bin eine Person, die irgendetwas Zwielichtiges im Schilde zu führen scheint.
Ich bin ein Mensch den man nicht mehr ernst nehmen muss.
Ich bin der Teil der Gesellschaft, den man ab jetzt respektlos behandeln kann.
 
In den darauf folgenden Tagen passieren seltsame Dinge.
Im Restaurant werde ich als letztes bedient. Während der Kellner sich höflich mit meiner Begleitung unterhält werde ich nur sporadisch angesprochen. Es scheint fast so als hätte man Angst, dass ich irgendeine ansteckende Krankheit habe.
Die Kassierer/innen im Supermarkt lächeln mich nicht mehr an. Betrete ich ein Geschäft drehen sich Leute ungeniert nach mir um und glotzen mich an wie Rehe, die nachts im Scheinwerferlicht eines Autos auftauchen.
Doch ich will das jetzt durchziehen. Verdammt es sind meine Haare und niemand hat mir vorzuschreiben wie ich rumlaufen soll. Leben und Leben lassen. So schwer kann das doch nicht sein?
Aber es ist schwer.
Jeden Tag potenziert sich die Anzahl der abwertenden Blicke.
Sie reiben über meine Haut, wie grobkörniges Schleifpapier. Anfangs halte ich es noch aus, aber nach ein paar Tagen entzündet sich diese Haut. Die Blicke beginnen zu schmerzen, sie reißen plötzlich Wunden auf und gönnen mir keine Erholung um diese wieder gesund zu pflegen.
Minütlich werde ich konfrontiert von Leuten, deren Gesicht offen wiederspiegelt was sie von mir halten und welche Meinung sie sich gerade von mir bilden. Verschwindend gering ist die Anzahl der Menschen, die mir einfach offen sagen, dass sie es scheiße finden, danach aber weiterhin normal mit mir umgehen. Das ist ok! Damit kann ich leben. Meine Güte, es sind schließlich grüne Haare. Natürlich findet die nicht jeder toll.
Und da wird mir plötzlich bewusst, was ich gerade tatsächlich erlebe.
Ich habe nur grüne Haare, aber wie fühlen sich diese bewertenden Blicke erst an für jemanden, den die Gesellschaft aufgrund seines Gewichtes nicht anerkennt?
Wie fühlt es sich erst an für jemanden, der wegen seiner Hautfarbe, Herkunft oder Religion sofort als gefährlich eingestuft wird?
Wie fühlt es sich erst an für jemanden, der wegen einer Behinderung als lästig oder störend empfunden wird?
Und ich? Ich habe lediglich grüne Haare und gebe bereits nach wenigen Tagen auf.
Das Selbstbewusstsein immer und immer wieder beleben zu müssen, wenn es erneut von einem Vorurteil niedergeknüppelt wurde, ist verdammt anstrengend.
Wie ein geschlagener Hund beichte ich meiner Friseurin das Malheur.
Innerlich bereite ich mich bereits auf einen Kurzhaarschnitt vor, aber sie und ihr Team vollbringen ein Wunder und nach einem fünfstündigen Marathon auf dem Friseurstuhl werde ich zurück in meine altbekannte Welt gebeamt.
Die Leute gehen auf einmal wieder an mir vorbei ohne sich die Köpfe zu verrenken.
Ihre Augen verweilen auf meinem Gesicht, sie erwidern mein Lächeln und reden normal mit mir.
Ich verurteile niemanden dafür, es war schließlich ein Unfall an dem man nicht vorbeisehen kann. Vermutlich verhalte ich mich manchmal auch nicht viel besser.
Manche Situationen überfordern einfach, das ist ok.
Das Wichtigste ist aber, dass man danach über seinen Schatten springt, die selbst ausgemalten Vorurteile beiseite fegt und den Menschen unabhängig von Gewicht, Hautfarbe, Körperlichkeit, Geschlecht oder eben der Haarfarbe, so akzeptiert wie er ist. Nämlich ein Mensch und menschlich sind wir nun mal alle.
Und darum ist das hier kein Hair Tutorial.
 
Back in Grey! (Und anscheinend von der Gesellschaft wieder anerkannt)


In diesem Sinne:

Stay Professional

 
Sehr professionell sind übrigens auch die Mädels vom Damensalon Schorde in Wipperfürth, die es geschafft haben die Haare wieder in optischen Normalzustand zu versetzen. Danke nochmal dafür! *knutsch*
 
 
 

 
 

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Filmreview Doctor Strange. Oder: Der Arzt, dem die Frauen vertrauen.


Wer mich kennt, der weiß dass meine Filmreviews mitunter etwas anders verlaufen. Und der weiß auch, dass ich Filme mit meinen Lieblingsschauspielern nicht immer automatisch gut finden muss.
Aber ich fange besser von vorne an.

Am 27.10.2016 ist der offizielle, deutsche Kinostart des Marvel Blockbusters „Doctor Strange“.
Da ich aber bei der Kombination „Superhelden und Lieblingsschauspieler“ nicht mehr zu halten bin, gehe ich am Abend vorher in eine der vielzähligen Preview Vorstellungen. Allerdings möchte ich den Film im Original Ton genießen.
Benedict Cumberbatch zu synchronisieren, fühlt sich für mich ungefähr so an, als würde man mit einem Ferrari mit 30 km/h über die Autobahn kriechen.
Nun ist es in Deutschland bzw. in der Region in der ich lebe, nicht gerade einfach ein Kino mit entsprechendem Angebot zu finden. Selbst im Umkreis von 60 km ist die Auswahl spärlich.
Es kommt mir fast so vor als würden die Kinobesitzer sich sagen:
„Nein, wir senden nur in Deutsch, das haben wir schon immer so gemacht!“
Ja, schön und gut. Vor 80 Jahren hat das vielleicht auch Sinn gemacht. Damals sind die Protagonisten aber auch noch in schwarzweiß und im Stechschritt über die Leinwand marschiert… Aber ich schweife ab.
Ich verfrachte den Ehemann ins Auto und los geht die Reise nach Köln, wo sich endlich eine Möglichkeit aufgetan hat. Im Kino angekommen, tritt das mehr als gut besuchte Foyer den Beweis an, dass auch Blockbuster im O-Ton inzwischen sehr gefragt sind.
Dummerweise hat dieses Filmvorführhaus ein kleines Manko.
Das Interieur ist, wie drücke ich es diplomatisch aus, etwas… malat.
Die Farbe der Deckenverkleidung im Foyer erinnert an eine durchgeweichte Windel, sofern sie überhaupt noch existent ist.
Der Kinosaal ist aber recht groß. Die Sitzplätze hingegen sehen aus, als wären sie aus einem etwas fragwürdigen Bahnhofsetablissement entfernt worden. Immerhin bestehen sie aus einhundert Prozent, abwaschbarem, schwarzen Kunstleder. Ich vermute, aus Gründen…   
Als ich mich hinsetze gibt der Sessel ein Geräusch von sich, das sich anhört als wäre ich gerade auf eine Katze getreten. Ich sacke nach unten und die Leinwand vor mir verschwindet zu dreißig Prozent hinter der Lehne meines Vordersessels.
„Sag mal, sind die Sitze im Kino ganz hinten normalerweise nicht immer höher?“, kommentiert meine Nachbarin sehr passend.
Tja, normalerweise werden in Deutschland die Filme ja auch nicht im O-Ton gezeigt.
Schöne Scheiße! Jetzt kann ich zwar Cumberbatchs honigweiche Stimme hören, dafür aber nichts sehen.
Die Rettung naht in Form eines Kindersitzes, den man sich im Seitengang abholen kann. Ich zögere keinen Moment. Die Sitze sind natürlich nicht für einen Erwachsenen Hintern gemacht, aber das ist mir jetzt egal. Ich bin doch schließlich nicht 60 km weit gefahren, nur auf die Halbglatze meines Vordermanns zu starren.
Der Ehemann hingegen kämpft immer noch mit der Beinfreiheit, die der Holzklasse im Ryanair Billigflieger, in keinster Weise nachsteht. Immerhin mussten wir für eine Portion Nachos dieses Mal nicht unser Haus verpfänden. Allerdings schmecken die auch so, als wären sie am Vorabend schon mal aufgewärmt worden. Und den Abend davor… und davor den Abend auch.
Das Licht wird gedämmt, die Werbung startet und mein Mann stößt plötzlich einen leisen Schrei aus.
Sollte ich nicht eigentlich das quietschende Fangirl sein?
Was hat der denn jetzt auf einmal?
„Alter! Auf mich ist gerade irgendwas drauf gefallen? Kam von Oben!“
Mein Blick wandert an die Decke, voller Angst, dass uns jetzt das halbe Gebäude unter sich begräbt. Doch es sieht alles stabil aus.
„Also ich will dich ja nicht beunruhigen, aber ich glaube das war ne Spinne“, erklärt der Ehemann und fängt an, seine Hosenbeine aus zu schütteln.
Nein,ich bin nicht beunruhigt. Ich bin panisch! 
Wenigstens sitze ich aufgrund des Kindersitzes so weit oben, dass meine Füße den Boden kaum berühren. Ich bilde mir ein, dass die Spinne sich deswegen lieber an die Füße des Nachbarn krallt, ihn während des Films einpuppt, sämtliches Blut aus dem Körper saugt um die Leere anschließend mit unzähligen Spinneneiern zu füllen. So machen die das doch, oder?
Da der Film aber jetzt anfängt werde ich tatsächlich von meinen Horrorvisionen abgelenkt und freue mich auf zwei Stunden voller Superhelden Action.
Doch das Marvel Logo sieht aus als hätte ich gerade 3 Flaschen Rotwein auf Ex geleert. Irgendwas stimmt da nicht.
„Eeeeey! Dat 3D is im Arsch!“, brüllt einer der Zuschauer.
Doch auch nach zwei weiteren Minuten wird es nicht besser und plötzlich bricht der komplette Film ab.
Na klasse! Das war es dann wohl mit dem schönen Filmabend.
Nach weiteren fünf Minuten Ungewissheit taucht plötzlich ein Mitarbeiter auf und informiert in sonorer Stimme, die sich so anhört als fände er es total toll, wenn endlich das Hanf legalisiert wird, dass es technische Probleme gibt.
Zehn weitere Minuten und endloses Starren auf eine Leinwand die aussieht als wäre der Blob darüber gelaufen, startet der Film erneut. Unter tosendem Applaus aller Anwesenden, denn das Bild ist endlich klar!
Ich lehne mich zurück und spüre erst jetzt, dass ich etwas nicht mehr spüre, nämlich meine Beine. Die Blutzufuhr zu selbigen hat der Kindersitz mittlerweile erfolgreich abgedrückt.
Aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr, denn die erste Szene, in der Doctor Strange himself vorkommt, ist eine Nahaufnahme auf Cumberbatchs Augen.
Chapeau Herr Regisseur!
Mein Hirn fällt aus meinem Kopf und landet irgendwo auf dem mit Popkorn verklebten Boden.
Das Leben ist schön!
Am Anfang stört es ein wenig, dass der Damen liebster Brite plötzlich mit amerikanischem Akzent spricht. Aber man gewöhnt sich tatsächlich recht schnell daran.
Schon in den ersten Szenen wirft Marvel die Zuschauer in eine Grafik voller atemberaubender Effekte. Ich gebe zu, dass man einiges aus dem Film Inception abgeschaut hat, aber warum nicht? Zumal man diese Effekte hier wirklich perfektioniert.
Viele von euch kennen sicherlich diesen letzten Part aus Stanley Kubricks 2001 Odyssee im Weltraum. So ein Zeug haben die Visual Effekts Meister bei Doctor Strange glaube ich auch geraucht. Nur im Gegensatz zu Kubrick waren sie nicht nur im Besitz von Alufolie und bunten Seifenblasen, sondern ausgestattet mit bester Software, die mir die Kinnlade herunterklappen lässt. Ich bin überwältigt von den Bildern, die mir trotz allem in keinem Moment zu abgedreht erscheinen. Und Doctor Strange macht Spaß!
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Hatten die Filmemacher am Anfang noch davon gesprochen, dass dem Film Humor fehlen würde, hat man das Ruder definitiv in die richtige Richtung herumgerissen. Ich lache an vielen Stellen herzlich, und es ist eine pure Freude den Schauspielern zuzuschauen.  
Nicht nur Cumberbatch spielt überzeugend, nein auch Tilda Swinton, Mads Mikkelsen oder die wirklich sympathische Rachael McAdams liefern fantastische Arbeit ab.
Es gibt so viel über das ich hier berichten könnte, aber die Details in Worte zu fassen, würden zu viele Spoiler bedeuten.
Mein Rat an jeden: Wartet nicht, bis der Film auf DVD herauskommt. Doctor Strange muss man im Kino genießen, auch wenn es, wie in meinem Fall, eine nach Kinderkotze riechende Bruchbude ist.
Ich kann an diesem Film tatsächlich keinen Kritikpunkt finden. Bis auf eine kleine Sache: Der Film ist zu kurz! Ich hätte noch stundenlang in den Farben, Bildern, Slapstick Einlagen, Gefühlswallungen und vor allen Dingen in Cumberbatchs Augen verweilen können.
Und dieser Ausspruch sei dem Fangirl jetzt einfach mal gestattet: „Scheiße sieht der in dem Film gut aus!“
Aber der ultimative Test steht noch an. Der Ehemann gehört normalerweise zur Fraktion: - Fantasy Filme sind voll unrealistisch – (Ach was!). Voller Spannung erwarte ich sein Urteil.
Dann kommen die wichtigsten Worte des Abends: „Du, der war echt gut der Film!“
Jawoll!
Somit kann ich stolz verkünden: Doctor Strange ist offiziell Ehemann approved und bekommt hiermit dieses soeben erfundene Gütesiegel auf Cumberbatchs hübsche Nase gedrückt.  
Mit einer Sache kann ich aber nicht an mir halten. Und daher vorweg die große und rote Warnung:
SPOILER bezüglich des üblichen Marvel nach-erstem-Abspann-Clips.
(Wer gar keinen winzigen Hinweis (ich spoilere nicht die komplette Szene) lesen will, der hört jetzt auf und dem wünsche ich hiermit schon mal einen schönen Tag und bis zum nächsten Blogeintrag!)
Ehrlich!
JETZT AUFHÖREN ZU LESEN! ;-)
....
...
Es gibt Momente, da bekommt so ein Fangirl wirklich feuchte AUGEN!
Nämlich dann, wenn ein Cumberbatch (bzw. Doctor Strange) auf der Leinwand über Tom Hiddleston (bzw. Loki) spricht.
Vielleicht bedeutet dieser Ausschnitt, dass wir gegebenenfalls bereits in „Thor Ragnarök“ ein Zusammentreffen der Giganten für Östrogen Belastete erleben werden?
Es bleibt spannend!
In diesem Sinne: Stay Professional!

Montag, 22. August 2016

Convention auf Schloss Burg. Oder: Warum Gollum weg muss!



Schloss Burg.
Ein mittelalterliches Bollwerk im bergischen Land.
Geliebtes Wahrzeichen und Folterinstrument für unzählige Kinder.
Warum?
Nun, wer wie ich im bergischen Land aufgewachsen ist, der weiß wovon ich spreche.
Gefühlt jeden zweiten Sonntag ging es zusammen mit Omma und Oppa auf nach Schloss Burch, lecker bergische Waffeln essen und Kaffee aus der Dröppelminna trinken (nein, bei letzterem handelt es sich nicht um ein inkontinentes Hausmädchen, sondern um eine Art historische Kaffeemaschine).
Und so saß man im altbackenen Café, umringt von Eiche Rustikal, schaufelte sich tonnenweise Zucker in den Balg um anschließend durch die langweilige Münzausstellung des schlosseigenen Museums geschoben zu werden… zum gefühlten 3000sten Mal und glaubt mir, es sind keine neuen Münzen dazu gekommen.




Schloss Burg... wobei... was ist es denn nun? Schloss oder Burg? Aber eigentlich hat es ja geschichtlich was mit Berg zu tun... aber ich schweife ab.

Wie gesagt, als Kind war es nicht immer einfach auf Schloss Burg und trotzdem hängt mein Herz an diesem Schuppen. Das ist meine Kindheit, das ist Heimat und Vertrautheit.
Und dann passiert plötzlich etwas Magisches...
Ein Wochenende lang wird die Burg zum Traum für jeden Film und TV Fan. Zum ersten Mal findet hinter den Mauern die Mittelalter und Fantasy Convention statt.
Ich war zuerst sehr, sehr skeptisch. Immer mehr Veranstalter versuchen heutzutage die Fans mit neuen Events für sich zu gewinnen. Doch bei all dem Angebot musste ich oft mit erleben, dass Veranstaltungen im letzten Moment wieder abgesagt wurden.
So stellte sich auch hier die Frage: Würden die angekündigten Stars aus Herr der Ringe, Game of Thrones und Harry Potter wirklich erscheinen?
Ich wartete den ersten Veranstaltungstag ab. Einige Bekannte waren vor Ort, berichteten und das sehr positiv.
Also packte ich am Sonntag meine Freundin ins Auto und bei bestem, bergischen Regenwetter machten wir uns auf nach Mittelerde… äh Hogwards… äh… Solingen Burg.
„Winter is coming!“ oder in diesem Fall eher: „Et räänt!“ (wie man hier im Fachjargon sagt).
Trotz schlechtem Wetter ist die Veranstaltung überaus gut besucht. Überall tummeln sich Fans in wunderschönen Roben und Kostümen aus den jeweiligen Filmen und Serien.

Cosplayer
Die Beamten vom Bundesamt für magische Wesen kontrollieren ob alles rechtens zugeht und keine Drachen gequält werden.


Im Gegensatz zu mancher Convention in irgendeiner lieblosen Messehalle, hat die Veranstaltung auf Schloss Burg ein ganz eigenes Flair. Man ist plötzlich Teil einer fantastischen Gesellschaft in Mitten der echten Schloss Kulisse. Die Stimmung ist gut und bereits jetzt laufen einem die Stars an jeder Ecke über den Weg.
James Cosmo (Game of Thrones) steht ganz relaxt am Würstchenstand, Craig Parker (Herr der Ringe / Spartacus) lässt sich vom Falkner die Greifvögel erklären.

Craig Parker hat nen Vogel...




... der hier anscheinend auch ;-)


... of Currywurst

Zwischendurch gibt es immer wieder Panels bei denen sich die Stars den Fragen der Gäste stellen.
Nur leider ist das die größte Schwachstelle des Events. Als ich im Internet gelesen habe, dass die Panels in der Burgkapelle stattfinden, schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen. In diesen Raum passen gerade mal 30 Leute… und das auch nur wenn Omma vorher keine 3 Waffeln gegessen hat.
Bereits am Samstag zeigt sich, dass dies bei so vielen Gästen einfach nicht funktionieren kann. Zum Glück reagiert der Veranstalter flexibel und verlegt diese Programmpunkte kurzum in das Museum.
Leider stehen dort immer noch einige Vitrinen, die man in der Kürze der Zeit vermutlich nicht verschieben konnte. Und so müssen einige Besucher das Geschehen durch die Ausstellungsstücke hindurch beobachten. Und nein… es sind immer noch keine neuen Münzen dazugekommen!



Auch gibt es weder Mikrofon noch Bühne, so dass die Leute weiter hinten leider fast gar nichts mehr mitbekommen. Wir haben Glück und ergattern noch einen halbwegs guten Stehplatz von dem aus wir das Panel von John Rhys-Davies (Herr der Ringe/Indiana Jones) und Craig Parker mit verfolgen können.
Die beiden sind ein wahnsinnig charmantes Duo und schaffen es, den vollen Saal wirklich gut zu unterhalten.

Anschließend schlendern wir über das Gelände.
Für das Eintrittsgeld bekommt man u. A. noch ein Ritterlager, diverse Verkaufsstände und eine Falknerei zu sehen.
Gegen einen kleinen Obolus kann man einen Greifvogel auf den Arm nehmen (Nein, damit meine ich nicht einen Uhu mit dämlichen Witzen über Klebemittel zu verarschen).
Ich verliebe mich in einen kleinen Kautz. Der ist wenigstens nicht so schwer wie die riesige Eule, die der Mann neben mir auf seinen Unterarm hievt.  

Stolzes (und verdammt großes) Tier

Da ist mir der kleine hier doch schon viel lieber

Als krönenden Abschluss mache ich noch ein Gruppenfoto mit John und Craig. Eigentlich sollte Gollum ebenfalls mit auf das Bild. Eine wirklich nett gemachte Statue, die den Fotohintergrund ausschmücken sollte, allerdings dabei nur im Weg steht. Craig Parker macht daher kurzen Prozess und schiebt den Ärmsten unter Beifall einfach aus dem Bild.

Gruppenfoto (und nein, das in der Mitte ist nicht Gollum!)

Die Stimmung ist wirklich entspannt und man hat zu jedem Zeitpunkt immer genug Zeit, einen kleinen Plausch mit den Stars zu halten.
Genau das hat mich wirklich beeindruckt. Es herrschte eine angenehme, intime Atmosphäre, die man bei größeren Conventions so nicht immer hat. Ich hoffe daher, dass der Veranstalter auch nächstes Jahr wieder etwas Magie in meine Heimat holt.
Ein bisschen umorganisieren was die Räumlichkeiten angeht (vielleicht die Autogrammstunde ins Museum verlegen, dafür die Panels unten in den größeren Raum) und ich bin sicher das Ganze wird ein Selbstläufer.
Es wäre wirklich toll, wenn es bei dieser kleinen, angenehmen Con Größe bleibt. Es muss ja nicht immer höher, schneller, weiter sein.
Und ganz ehrlich: Dieser Moment als Schauspieler John Rhys-Davies über die wunderschöne Location schwärmt, lässt mein Herz aufgehen.
Jep, dat is meine Heimat, mein bergisches Land.
In diesem Sinne:
Stay professional!


Autogrammstunde mit James Cosmo






Seilbahn zum Schloss... äh Burg... also Schloss Burg
Hier wollte ich eigentlich beweisen, dass die Sonne auch mal rausgekommen ist. Und schon rennt mir James Cosmo wieder ins Bild. Frecheit sowas. ;-)



 
Also gut... darauf habt ihr doch nur gewartet!
 
Und darauf auch! Sorry, aber das musste sein! Yummyyyyyy!